Heuschnupfen

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Einleitung

Wer unter Heuschnupfen leidet, ist gegen Blütenstaub (Pollen) allergisch. Der Heuschnupfen wird demnach auch als Pollenallergie oder in der Fachsprache als Pollinosis bezeichnet. Andere Bezeichnungen für Heuschnupfen sind saisonale allergische Rhinitis oder saisonale Rhinitis allergica. Grundsätzlich ist eine Allergie eine Überempfindlichkeit des Körpers gegen bestimmte Stoffe. Der Heuschnupfen tritt meist saisonal auf. Die typischen Pollenflugzeiten sind im Frühjahr, aber zunehmend auch im Sommer oder Herbst. In den meisten Fällen leiden Betroffene unter Augen- und Atembeschwerden sowie Schnupfen.

Viele Allergiker sind nicht nur gegen eine Pollenart, sondern gegen Pollen verschiedener Pflanzen allergisch. Da einzelne Pflanzenarten bereits im Dezember, Januar oder auch bis in den Herbst hinein blühen, kann Heuschnupfen auch ganzjährig oder mehrmals im Jahr auftreten.

In der Schweiz leiden rund 1,5 Millionen Menschen an Heuschnupfen. Das sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung. Heuschnupfen ist somit die häufigste allergische Erkrankung – mit stark zunehmender Tendenz. In der Regel beginnen die Beschwerden im Schulalter.


Symptome

Bei einer Pollenallergie treten die Symptome meist saisonal zwischen Frühling und Herbst auf, wenn die Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern durch die Luft fliegen. Die Beschwerden verschlimmern sich oft an trockenen und windigen Tagen, da der Pollenflug dann besonders stark ist.

Bei Heuschnupfen treten typische Symptome an Augen und der Nase auf. Dazu gehören tränende, brennende, juckende, gerötete Augen und geschwollene Augenlider (allergische Bindehautentzündung) sowie eine juckende, kribbelnde, laufende Nase, Niesanfälle und eine geschwollene Nasenschleimhaut, die unbehandelt zur Mundatmung zwingt. Nach etwa einer Woche kann auch ein reduziertes Riechvermögen hinzukommen. Gemeinsam mit den lokalen Symptomen tritt häufig ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Schwäche, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auf, jedoch ohne Fieber.


Verlauf

In 80 Prozent der Fälle beginnt eine Pollenallergie vor dem 30. Lebensjahr und bleibt oft ein Leben lang bestehen. Der Anteil der Patienten, die nach dem 50. Lebensjahr an Heuschnupfen erkranken, nimmt jedoch zu. In vielen Fällen können die Beschwerden mit einer Behandlung in Form einer Hyposensibilisierung gelindert und der Verlauf der Erkrankung gemildert werden. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sich die Allergie von den oberen Atemwegen in die unteren Atemwege verlagern (Bronchien) und so asthmatische Beschwerden verursachen.

Bei einer Pollenallergie kann auch eine sogenannte Kreuzallergie zu bestimmten Lebensmitteln entstehen. Dabei ähneln sich die allergieauslösenden Pollen-Eiweisse und die Eiweisse, die in den entsprechenden Nahrungsmitteln enthalten sind. Es gibt typische Kombinationen von allergieauslösenden Pollen und Nahrungsmitteln: Betroffene, die zum Beispiel allergisch auf Hasel-, Erlen- oder Birkenpollen reagieren, können auch auf Haselnüsse, Äpfel oder Kirschen allergisch sein. Diese Patienten können die typischen Symptome einer Nahrungsmittelallergie entwickeln.

Die Beschwerden einer Pollenallergie können mit zunehmendem Alter abnehmen, allerdings auch neu auftreten. Somit wird der Heuschnupfen heute nicht mehr ausschliesslich einer bestimmten Altersgruppe zugeordnet.


Ursachen

Die Ursache von Heuschnupfen ist eine überschiessende allergische Reaktion gegen Pollen. Bei einer Allergie reagiert der Körper überempfindlich auf bestimmte Stoffe und Eiweisse. Die körpereigene Abwehr stuft dabei harmlose Eiweisse in den Pollen fälschlicherweise als gefährlich ein und bekämpft sie wie einen Krankheitserreger. Auslöser von Heuschnupfen ist der Kontakt zu Pollen der unterschiedlichsten Pflanzenarten – zum Beispiel Gräser, Getreide, Bäume, Sträucher, Kräuter oder Pilze. Bei der Abwehrreaktion des Immunsystems werden Substanzen freigesetzt, die zu den typischen Symptomen wie gerötete und juckende Augen, Niesreiz sowie juckende und geschwollene Nasenschleimhäute führen können.

Viele Allergiker sind nicht nur gegen eine Pollenart, sondern gegen Pollen verschiedener Pflanzen allergisch. Da einzelne Pflanzenarten bereits im Dezember, Januar oder auch bis in den Herbst hinein blühen, kann Heuschnupfen auch ganzjährig oder mehrmals im Jahr auftreten.

Eine Veranlagung zu einer Pollenallergie ist vererbbar; auch Luftschadstoffe können durch Verunreinigungen der Pollen einen Heuschnupfen begünstigen oder die Beschwerden verstärken.


Diagnose

Um einen Heuschnupfen diagnostizieren zu können, führt die Ärztin oder der Arzt als erstes ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten (die sogenannte Anamnese). Die Ärztin oder der Arzt befragt den Betroffenen nach den allergischen Beschwerden oder ob auch andere Familienmitglieder von Allergien betroffen sind. Treten die Symptome der geschilderten Allergie während der typischen Pollenflugzeiten auf, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um Heuschnupfen. Die Ärztin oder der Arzt untersucht auch, ob eine Bindehautentzündung oder Hautveränderungen im Bereich der oberen Atemwege vorliegen. Eine Untersuchung der Augen und des Naseneingangsbereichs kann mithilfe eines gesendeten Bildes auch telemedizinisch gut diagnostiziert werden.

Mittels eines Allergietests kann der Auslöser der Pollenallergie ermittelt werden. Bei einem sogenannten Pricktest tropft der Arzt verschiedene Pollenextrakte auf den Unterarm oder den Rücken der Patientin oder des Patienten. In der Folge pikst der Arzt die Haut unter dem Tropfen mit einer Nadel leicht an: Im Falle einer Allergie röten sich die Stellen nach 20 Minuten, schwellen leicht an und können auch jucken. Eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen die jeweiligen Allergene können die vorherigen Ergebnisse zusätzlich bestätigen.


Behandlung/Therapie

Bei einer Allergie ist es grundsätzlich wichtig, dass die auslösenden Allergene vermieden werden. Dies ist bei einer Pollenallergie jedoch schwierig, da die Pollen oft kilometerweit fliegen. Nebst der Vermeidung stehen bei einer Pollenallergie folgende weitere Massnahmen zur Behandlung zur Verfügung:

  • Bei einer spezifischen Immuntherapie (SIT) – einer Hyposensibilisierung – werden nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache behandelt. Dabei spritzt eine Ärztin oder ein Arzt in ansteigenden Dosen den allergieauslösenden Stoff unter die Haut. So soll das Immunsystem daran gewöhnt werden, das Allergen zu tolerieren. Diese Therapie kann langfristig nicht nur die Symptome mildern, sondern auch einer Ausbreitung der Allergie, einer Ausweitung der betroffenen Organe sowie einer Chronifizierung der Krankheit entgegenwirken. Eine solche Hyposensibilisierung dauert in der Regel drei bis fünf Jahre.
  • Eine spezielle Form der Hyposensibilisierung ist die sogenannte sublinguale Immuntherapie (SLIT). Dabei werden Tropfen einer Pollenlösung direkt unter die Zunge gegeben (ebenfalls in ansteigenden Dosen). Eine andere Form dieser Immuntherapie ist die Einnahme von sogenannten Gräsertabletten. Hierbei wird eine Tablette mit Pollen verschiedener Arten von Gräsern unter der Zunge aufgelöst. Diese spezifische Form der Hyposensibilisierung ist in der Wirksamkeit weniger effektiv und zuverlässig.
  • Akute Beschwerden von Heuschnupfen können medikamentös gemildert oder beseitigt werden. Häufig werden Wirkstoffe eingesetzt, die zur Gruppe der sogenannten Antihistaminika gehören. Diese Wirkstoffe verhindern, dass sich freigesetztes Histamin an andere Zellen bindet: So wird die allergische Reaktion unterbrochen und die Beschwerden gemildert. In vielen Fällen wirken Antihistaminika nicht stark genug, um eine allergische Reaktion zu unterbinden – in der Folge werden cortisonhaltige Augentropfen, Nasensprays oder Tabletten eingesetzt.
  • Spezielle Hautpflegeprodukte können helfen, Symptome wie Juckreiz oder Brennen der Haut zu lindern. Nasenspülungen mit Koch- oder Meersalzlösung aktivieren die Flimmerhärchen in der Nasenschleimhaut. Diese Flimmerhärchen transportieren Verunreinigungen – insbesondere auch Pollen aus den oberen Atemwegen – heraus und reinigen so die Nase von Pollen. Das führt bei akutem Heuschnupfen zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden.

Bleibt ein Heuschnupfen unbehandelt, besteht das Risiko, dass das Immunsystem auf immer mehr Stoffe allergisch reagiert oder sich die Pollenallergie zu einem allergischen Asthma entwickelt.


Prävention

Betroffene können nur bedingt gegen Heuschnupfen vorbeugen. Ein eigentlicher Schutz vor einer Pollenallergie besteht demnach nicht – dennoch können Patientinnen und Patienten versuchen, die Beschwerden dank einiger Massnahmen zu verringern:

  • Vermeidung von Pollenquellen wie blühende Wiesen oder Bäume.
  • Vermeidung von Rauchen, verrauchten Räumen und Schwimmen in gechlortem Wasser (Tabak und Chlor reizen die Atemwege zusätzlich).
  • Verwendung von Pollenfiltern und Klimaanlagen in Autos sowie Benutzung von speziellen Filtern beim Staubsaugen.
  • Haare vor dem Schlafengehen waschen und Kleidung nicht ins Schlafzimmer mitnehmen, bei geschlossenen Fenstern schlafen.
  • Bettwäsche regelmässig wechseln und während der Pollensaison nicht im Freien trocknen.

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