Neurodermitis

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Einleitung

Die Neurodermitis – auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt – ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Dabei kommt es zu chronischen Entzündungsreaktionen der Haut, die schubweise auftreten. Die Ursachen für die Erkrankung sind nicht bekannt – allerdings können erbliche Veranlagungen sowie Umweltstoffe oder psychische Faktoren die Entstehung von Neurodermitis begünstigen. Die typischen Symptome sind starker Juckreiz und trockene, teils schuppende Haut. Neurodermitis wird mit regelmässiger Hautpflege sowie Medikamenten behandelt; die Hauterkrankung ist nicht ansteckend.

Neurodermitis ist vor allem bei Kindern verbreitet: In der Schweiz sind 15 bis 30 Prozent betroffen. Allerdings gehen in 75 Prozent der Fälle die Beschwerden bis zum Alter von zehn Jahren von selbst zurück. Kinder mit einer Neurodermitis haben ein erhöhtes Risiko für Heuschnupfen, allergisches Asthma und Nahrungsmittelallergien. Erwachsene leiden seltener an Neurodermitis. Erkranken Erwachsene jedoch an einer atopischen Dermatitis, verläuft die Hauterkrankung meist schwerer.

Neurodermitis

Symptome

Die typischen Symptome einer Neurodermitis sind stark juckende und trockene Haut. Die Haut ist bei Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis trockener als normale Haut. Bei einer Neurodermitis ist die Barrierefunktion der Haut sowie weitere Funktionen wie Schweissbildung oder Hautdurchblutung gestört, wodurch die Haut Feuchtigkeit verliert. Die Symptome und die betroffenen Stellen am Körper verändern sich im Laufe der Erkrankung.

Neurodermitis-Symptome zeigen sich bei Säuglingen mit nässenden Ekzemen in den meisten Fällen im Gesicht, auf der Kopfhaut und an den Aussenseiten der Arme und Beine (in der Regel ab dem zweiten Lebensmonat). Aufgrund des feuchten Klimas ist der Windelbereich üblicherweise ausgespart.

Beugenekzeme: Bei Kindern und Jugendlichen ist die Haut aufgrund von Entzündungen an den Händen, am Hals, in Ellen- und Kniebeugen sowie im Nacken häufig gerötet und trocken. Im Laufe der Jahre kann sich die Haut verdicken – diese Veränderung nennen Fachpersonen Flechtenbildung oder Lichenifikation.

Bei Erwachsenen kann eine Sonderform der Neurodermitis – die sogenannte Prurigoform – auftreten. Dabei treten am ganzen Körper stark juckende Knoten auf.


Verlauf

Die Neurodermitis tritt in Schüben von unterschiedlicher Länge und Schwere auf. Oft beginnt die atopische Dermatitis im Kindesalter. Die Erkrankung kann von selbst heilen, allerdings bekommt ein Drittel aller Kinder mit Neurodermitis auch im Erwachsenenalter – zumindest zeitweilig – ebenfalls atopische Ekzeme. Eine Neurodermitis ist nicht übertragbar. Unabhängig vom Verlauf der Erkrankung kann die Neurodermitis die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Auch nur leicht ausgeprägte Ekzeme können Erkrankte stark einschränken und psychisch belasten.


Ursachen

Die Ursachen für die Erkrankung sind nicht bekannt – allerdings können erbliche Veranlagungen sowie Umweltstoffe oder psychischer Stress die Entstehung von Neurodermitis begünstigen. Bei einer Neurodermitis reagiert der Körper übermässig auf zunächst harmlose Stoffe wie Nahrungsmittel, Hausstaub oder Blütenpollen und bildet grosse Mengen Abwehrstoffe gegen diese Stoffe, die sogenannten Allergene. Die Haut reagiert in der Folge mit einer entzündlichen Abwehrreaktion. Zusätzlich schüttet der Körper den Botenstoff Histamin aus, der entzündungsfördernd ist und die Abwehrreaktion verstärkt, wodurch der für Neurodermitis typische Juckreiz entsteht.

Häufig haben Betroffene auch eine Nahrungsmittelallergie, die nicht in einem kausalen Zusammenhang zur atopischen Dermatitis steht. Kinder mit einer Neurodermitis sind demnach häufig auf Milch, Eier, Soja, Weizen, Haselnuss, Erdnuss oder Fisch allergisch.


Diagnose

Eine Neurodermitis wird aufgrund der Krankheitsgeschichte (Anamnese) sowie einer gründlichen Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt diagnostiziert. Je nach Schweregrad oder Hinweisen für Allergien sind weitere allergologische Abklärungen sinnvoll.

Eine leichte Neurodermitis kann telemedizinisch gut behandelt werden. Zur Verfügung gestellte Fotos der betroffenen Hautstellen unterstützen die Ärztin oder den Arzt bei einer Diagnose. Oft verfügen Personen, die eine Neurodermitis haben, auch über weitere körperliche Merkmale, zum Beispiel eine doppelte Falte unterhalb des Auges (die sogenannte Dennie-Morgan-Falte).


Behandlung/Therapie

Mit einer Behandlung sollen Patientinnen und Patienten möglichst vollständig von den Symptomen befreit werden. Dabei werden die Basistherapie und die Behandlung des akuten Ekzems eingesetzt:

Die Basistherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Neurodermitis. Dabei wird im Rahmen einer regelmässigen Pflege die Haut mit Feuchtigkeit versorgt und eingefettet. Die Pflege wird auch in Phasen ohne Schübe angewendet und besteht aus Lotionen, Cremes, Salben und Ölbädern. Grundsätzlich ist es wichtig, bei der Pflege der Haut auf aggressive Seifen und Waschmittel zu verzichten, da die Haut bei Neurodermitis empfindlicher ist als gesunde Haut. Mit einer guten Basistherapie soll den akuten Ekzemen vorgebeugt werden.

In den meisten Fällen können leichte bis mittelschwere akute Ekzeme äusserlich behandelt werden. Dabei werden Kortisonpräparate oder sogenannte Calcineurin-Hemmer eingesetzt. Neigen Betroffene stark zu wiederaufflammenden Ekzemen, kann in Rücksprache mit der behandelten Fachperson die sogenannte Intervalltherapie eingesetzt werden. Diese Therapie soll die Ekzeme präventiv verhindern. Bakterielle Hautinfektionen, sogenannte Superinfektionen, werden in der Regel mit Antibiotika (Tabletten oder Saft) behandelt.

Verläuft eine äusserliche Therapie ohne Erfolg, kann die Neurodermitis in schweren Fällen auch mit moderneren Medikamenten wie Biologika erfolgreich behandelt werden. Auch eine Lichttherapie kann helfen: Dabei hemmt das Licht die Entzündungszellen in der Haut.


Prävention

Einer Neurodermitis kann nur bedingt vorgebeugt werden. Ärztinnen und Ärzte empfehlen, Säuglinge bis zum Alter von vier Monaten ausschliesslich zu stillen. Sollte Stillen nicht möglich sein, wird empfohlen, Kindern, die einen Verwandten ersten Grades mit allergischen Symptomen haben, nur hypoallergene Milch zu verabreichen. Besteht bereits eine Neurodermitis, sollten Betroffene sogenannte Triggerfaktoren (Faktoren, die die Krankheit auslösen) vermeiden und dadurch weiteren Schüben vorbeugen:

  • Vermeiden von allergieauslösenden Stoffen (zum Beispiel Pollen, Hausstaubmilben)
  • Verzicht auf das Tragen von Wolle oder Synthetikstoffen (Wärmestau)
  • Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel (zum Beispiel Nüsse, Milch, Weizen)
  • Vermeiden von emotionalem Stress
  • Verzicht auf exzessives Baden (aber: nach einem Bad in Chlorwasser sollte dieses sogleich mit normalem Wasser abgewaschen werden)

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