Schuppenflechte gehört zu den verbreiteten chronischen Erkrankungen. In westlichen Ländern sind schätzungsweise 2–3 % der Bevölkerung betroffen. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, häufig erstmals zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr oder im Alter von 50 – 60 Jahren.
Symptome – Woran erkennt man Schuppenflechte?
Schuppenflechte kann sich je nach Form und Schweregrad unterschiedlich äussern. Typische Anzeichen sind:
- Scharf begrenzte, gerötete Hautplaques
- Silbrig-weisse Schuppen auf den Plaques
- Juckreiz, Brennen oder Spannungsgefühl
- Trockene, rissige Haut, die gelegentlich blutet
- Veränderte Nägel (Grübchen, Verfärbungen, Ablösung vom Nagelbett)
- Gelenkschmerzen und -schwellungen bei Psoriasis-Arthritis
Typische Orte, an denen die Schuppenflechte auftritt:
- Ellbogen und Knie (Streckseiten)
- Kopfhaut
- Rücken und Gesäss
- Hände und Füsse
- Nägel
- Seltener: Gesicht, Intimbereich
Formen der Schuppenflechte
Es gibt verschiedene Formen, die sich in Aussehen und Lokalisation unterscheiden, z.B.:
Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis)
Die häufigste Form, ca. 80–90 % der Fälle. Zeigt sich mit den typischen silbrig-schuppenden, rötlichen Plaques vor allem an Ellbogen, Knien, Kopfhaut und Rücken.
Psoriasis guttata (Tropfenpsoriasis)
Kleine, tropfenförmige Herde, die häufig nach einer bakteriellen Infektion (z. B. Scharlach) auftreten. Betrifft oft jüngere Patient:innen.
Psoriasis inversa
Betrifft die Körperfalten (Achseln, Leistenbeugen, Gesässfalte). Keine sichtbaren Schuppen, aber gerötete, glänzende Haut.
Psoriasis pustulosa
Seltenere Form mit eitergefüllten, nicht infektiösen Pusteln auf der Haut.
Psoriasis-Arthritis
Bei ca. 20–30 % der Betroffenen mit Schuppenflechte kommt es zu einer entzündlichen Gelenkbeteiligung. Diese kann sich unabhängig vom Hautbefund entwickeln und sollte rheumatologisch abgeklärt werden.
Ursachen und Auslöser
Schuppenflechte entsteht durch ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren:
- Genetische Veranlagung
Schuppenflechte tritt familiär gehäuft auf. Sind ein oder beide Elternteile betroffen, ist das Erkrankungsrisiko erhöht. Die genauen genetischen Mechanismen sind noch nicht vollständig erforscht.
- Immunologische Überreaktion
Das Immunsystem spielt eine zentrale Rolle: Bestimmte Immunzellen lösen eine überschiessende Entzündungsreaktion aus, die die beschleunigte Hauterneuerung verursacht.
Mögliche Auslöser für Schübe (individuell verschieden):
- Infektionen (z. B. Angina)
- Stress und psychische Belastung
- Bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker, Lithium, nicht-steroidale Antirheumatika)
- Verletzungen der Haut (Köbner-Phänomen)
- Alkohol und Nikotin
- Hormonelle Veränderungen
- Klimatische Einflüsse (z. B. Kälte, Trockenheit)
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Schuppenflechte ist individuell und wird durch eine Ärzt:in begleitet. Sie richtet sich nach der betroffenen Körperstelle, dem Schweregrad und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patient:innen. Grundsätzlich unterscheidet man:
Lokale Therapie
Bei leichter bis mittelschwerer Schuppenflechte kommen Cremes, Salben oder Lotionen zum Einsatz:
- Kortikosteroide (entzündungshemmend, begrenzte Anwendungsdauer)
- Vitamin-D-Analoga (z. B. Calcipotriol, verlangsamen die Hauterneuerung)
- Kombinationspräparate aus Kortikosteroiden und Vitamin-D-Analoga
- Rückfettende und pflegende Basistherapie (auch zwischen den Schüben wichtig)
Lichttherapie (Phototherapie)
UV-Licht kann Entzündungsreaktionen in der Haut dämpfen. Die Behandlung erfolgt unter ärztlicher Aufsicht in festgelegten Sitzungsabständen.
Systemische Therapie (bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis)
Bei ausgeprägter Schuppenflechte, die auf lokale Massnahmen nicht ausreichend anspricht, können systemische Therapien eingesetzt werden:
- Klassische Systemtherapeutika (z. B. Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin)
- Biologika (z. B. TNF-alpha-Hemmer, IL-17- oder IL-23-Hemmer): gezielte Therapien, die in die Entzündungskaskade eingreifen
- Kleine Moleküle (z. B. JAK-Hemmer, PDE4-Hemmer)
Die Auswahl der geeigneten Therapie erfolgt durch spezialisierte Ärzt:innen auf Basis des individuellen Befunds und des Risikoprofils der Patient:innen.
Schuppenflechte und Lebensqualität
Schuppenflechte ist nicht nur eine Hauterkrankung – sie kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Sichtbare Hautveränderungen, chronischer Juckreiz und das Wissen um eine nicht heilbare Erkrankung können psychische Belastungen wie Scham, sozialen Rückzug oder depressive Verstimmungen begünstigen.
Gleichzeitig gilt Stress als einer der häufigsten Auslöser für Schübe. Dieser Zusammenhang kann einen belastenden Kreislauf erzeugen. Bei anhaltender psychischer Belastung durch die Erkrankung ist es sinnvoll, dies im Rahmen der ärztlichen Begleitung anzusprechen.
Schuppenflechte und Begleiterkrankungen
Patient:innen mit Schuppenflechte haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Begleiterkrankungen, die ärztlich berücksichtigt werden sollten:
- Psoriasis-Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Metabolisches Syndrom (Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes)
- Entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn)
- Psychische Erkrankungen (Depression, Angststörungen)
Eine regelmässige ärztliche Verlaufskontrolle ist daher bei Schuppenflechte besonders wichtig.
Teledermatologie bei Schuppenflechte
Hautprobleme wie Schuppenflechte gehören zu den häufigen Anliegen, bei denen eine telemedizinische Beurteilung möglich sein kann. Über eine fotografische Dokumentation der betroffenen Hautstellen können Ärzt:innen eine erste Einschätzung vornehmen – etwa zur Beurteilung eines akuten Schubs oder zur Verlaufskontrolle einer bekannten Erkrankung.
Bei einer telemedizinischen Beurteilung werden in der Regel Fotos der betroffenen Hautstellen sowie Angaben zu Symptomen, Dauer, bisheriger Therapie und allfälligen Auslösern berücksichtigt.
Ob eine telemedizinische Konsultation im Einzelfall geeignet ist, hängt von der Schwere des Befunds und der individuellen Situation der Patient:innen ab und wird durch die behandelnden Ärzt:innen beurteilt. Bei Verdacht auf Psoriasis-Arthritis, bei schweren Verläufen oder bei erstmaliger Diagnose ist eine körperliche Untersuchung in der Regel angezeigt.
Häufige Fragen
Ist Schuppenflechte ansteckend?
Nein. Schuppenflechte ist eine nicht ansteckende, chronisch-entzündliche Erkrankung. Sie wird weder durch Hautkontakt noch auf andere Weise übertragen.
Ist Schuppenflechte heilbar?
Schuppenflechte ist bislang nicht heilbar. Mit einer konsequenten Therapie lassen sich Schübe jedoch gut kontrollieren und die Lebensqualität deutlich verbessern. Die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich – bei manchen Patient:innen gibt es lange beschwerdefreie Phasen.
Kann Ernährung Schuppenflechte beeinflussen?
Es gibt Hinweise, dass bestimmte Ernährungsweisen – insbesondere eine mediterrane Kost und die Vermeidung von Alkohol – den Verlauf positiv beeinflussen können. Wissenschaftlich gesicherte Ernährungsempfehlungen als alleinige Therapie gibt es bislang nicht. Individuelle Auslöser sollten mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.
Welche Rolle spielt Stress bei Schuppenflechte?
Stress ist ein bekannter Auslöser für Schübe. Entspannungstechniken, ausreichend Schlaf und eine gute psychische Gesundheit können die Erkrankung positiv beeinflussen.
Darf ich bei Schuppenflechte Sport treiben?
Ja, regelmässige körperliche Aktivität ist grundsätzlich empfehlenswert und kann sich positiv auf den Verlauf auswirken. Bei stark entzündeten Hautstellen oder bei Psoriasis-Arthritis sollten die Möglichkeiten mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.
Was ist das Köbner-Phänomen?
Beim Köbner-Phänomen entstehen neue Psoriasis-Herde an Stellen, die mechanisch gereizt oder verletzt wurden – z. B. durch Kratzen, Druck oder Reibung. Betroffene sollten mechanische Reize auf der Haut soweit möglich vermeiden.
Kann Schuppenflechte auch Kinder betreffen?
Ja, Schuppenflechte kann in jedem Lebensalter auftreten, auch im Kindesalter. Bei Kindern ist eine ärztliche Begleitung besonders wichtig, da Therapie und Hautpflege dem Alter angepasst werden müssen.
Was ist Psoriasis-Arthritis?
Bei ca. 20–30 % der Betroffenen mit Schuppenflechte kommt es zu einer entzündlichen Beteiligung der Gelenke (Psoriasis-Arthritis). Diese kann sich durch Gelenkschmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit äussern und sollte rheumatologisch abgeklärt werden.
Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich?
Eine ärztliche Abklärung ist in folgenden Situationen empfehlenswert:
- Erstmaliges Auftreten von Schuppenflechte-typischen Hautveränderungen
- Akuter Schub, der sich trotz bisheriger Therapie nicht bessert
- Ausbreitung der Hautveränderungen auf neue Körperstellen
- Beteiligung von Nägeln, Kopfhaut oder Gelenkbeschwerden
- Gelenkschmerzen, Schwellungen oder Morgensteifigkeit (Verdacht auf Psoriasis-Arthritis)
- Starker Juckreiz oder Schmerzen, die den Alltag beeinträchtigen
- Psychische Belastung durch die Erkrankung
- Unsicherheit über Diagnose oder bisherige Therapie
Bei folgenden Beschwerden sollte umgehend der Notruf (144) oder eine Notaufnahme kontaktiert werden:
- Grossflächige Rötung des gesamten Körpers mit Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl (Erythrodermie – seltene, schwere Verlaufsform)
- Ausgedehnte Pustelbildung mit Fieber (Psoriasis pustulosa generalisata)
Kontakt
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