Was ist Asthma? Symptome, Auslöser und Warnzeichen im Alltag
Asthma ist eine chronische Erkrankung der Atemwege. Dabei sind die Bronchien entzündet und sehr empfindlich. Sie reagieren auf Auslöser schneller als üblich. Die Bronchien verengen sich, die Schleimhaut schwillt an, es bildet sich zäher Schleim. Das erschwert das Atmen.
Typische Asthma-Symptome sind:
- Pfeifende oder brummende Atmung (vor allem beim Ausatmen)
- Husten (häufig nachts oder früh morgens)
- Kurzatmigkeit, Atemnot, «nicht genug Luft bekommen»
- Engegefühl in der Brust
- Leistungsknick bei Belastung (Treppen, Sport, schnelleres Gehen)
Asthma kann sehr unterschiedlich sein. Manche haben selten Beschwerden, andere spüren es fast täglich. Häufig gibt es Phasen, in denen Sie beschwerdefrei sind, und Phasen, in denen es sich verschlechtert.
Häufige Auslöser (Trigger) sind zum Beispiel Tabakrauch, Pollen, Milben, Schimmel, Infekte (Viren/Bakterien), Autoabgase oder generell schlechte Luft, aber auch kalte Luft oder Nebel. Auch trockene Raumluft oder körperliche Anstrengung oder Stress kann reizen.
Warnzeichen, bei denen Sie Ihre Asthma Therapie überprüfen lassen sollten:
- Sie haben Asthmasymptome tagsüber und/oder brauchen Ihr Notfallspray mehr als 2x pro Woche (ausgenommen Bedarfsmedikation vor körperlicher Belastung.
- Sie wachen nachts wegen Husten oder Atemnot auf.
- Sie vermeiden Alltagsaktivitäten, weil Sie sonst kurzatmig werden bzw. andere Asthmasymptome auftreten.
- Sie hatten kürzlich einen stärkeren Anfall oder mussten notfallmässig behandelt werden.
Diese Signale bedeuten oft, dass das Asthma nicht ausreichend kontrolliert ist und die Behandlung angepasst werden muss, um Langzeitfolgen zu verhindern.
Diagnose von Asthma: So wird abgeklärt, ob hinter Ihren Beschwerden Asthma steckt
Bei Asthma geht es nicht nur darum, dass die Symptome «irgendwie passen». Ärztinnen und Ärzte klären gezielt ab, ob tatsächlich Asthma die Ursache ist oder ob eine andere Erkrankung ähnliche Beschwerden auslöst (zum Beispiel COPD, Infekte, Reflux, funktionelle Atemstörungen oder auch Herzprobleme).
Gespräch und Vorgeschichte (Anamnese)
Sie beschreiben, wann die Beschwerden auftreten: zum Beispiel nachts, bei körperlicher Belastung, in der Pollensaison, bei Kälte, bei Stress oder nach einer Erkältung. Auch Allergien, Rauchen und Fälle von Asthma oder Allergien in der Familie sind wichtige Hinweise.
Körperliche Untersuchung
Die Atmung und die Lunge werden untersucht. Zwischen den Anfällen kann die Untersuchung unauffällig sein. Das ist bei Asthma normal, denn es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die attackenartigen auftritt, ähnlich wie bei z.B. Migräne.
Lungenfunktion (Spirometrie
Mit einem Atemtest wird gemessen, wie gut Ihre Lunge arbeitet. Sind die Werte normal, erfolgt ein Provokationstest, bei dem Sie eine Substanz (meist Metacholin) einatmen und geschaut wird, ob sich darauf Ihre Bronchien verengen. Sind die Bronchien bereits beim Atemtest verengt oder nach dem Provokationstest, dann wird geprüft, ob sich die Werte nach einem bronchienerweiternden Medikament verbessern. Wenn sich die Atmung dadurch deutlich erleichtert bzw. normalisiert, spricht das für Asthma.
Peak-Flow-Messung zu Hause
Ein kleines Messgerät kann helfen, Schwankungen im Alltag sichtbar zu machen, zum Beispiel ob Ihre Werte bei Pollen, Kälte oder nachts schlechter sind. Das unterstützt die Einschätzung und zeigt, wie stabil das Asthma kontrolliert ist. Zu dem kann auch die Wirksamkeit des von Ihnen genutzten Bedarfsmedikaments kontrolliert werden.
Allergie-Abklärung
Wenn ein allergisches Asthma vermutet wird, kann eine Allergiediagnostik sinnvoll sein, um Auslöser wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare zu erkennen. Liegt eine Allergie vor, kann diese kausal mit einer Desensibilisierung therapiert werden, so dass Sie weniger oder gar nicht mehr auf das Allergen reagieren. Damit ist dieser Trigger eliminiert und Sie haben weniger häufig Phasen mit Asthmaanfällen.
Asthma Behandlung: Was hilft im Alltag und wann braucht es mehr
Die Behandlung von Asthma hat zwei Ziele:
- Beschwerden im Alltag reduzieren
- Asthmaanfälle vermeiden und die Lunge langfristig schützen
Was Sie im Alltag selbst tun können:
Trigger erkennen und reduzieren
Wenn Rauch, Pollen, Staub oder Schimmel Ihre Beschwerden verstärken, lohnt sich ein konsequenter Umgang damit. Auch regelmässiges Lüften, passende Luftfeuchtigkeit und Rauchstopp sind starke Hebel.
Infekte ernst nehmen
Erkältungen sind ein häufiger Auslöser für Asthma-Schübe. Wenn Sie merken, dass sich Ihre Beschwerden bei Infekten schnell verschlechtern, sprechen Sie rechtzeitig mit einer Ärztin oder einem Arzt über Ihren persönlichen Vorgehensplan.
Bewegung ja, aber mit Plan
Sport ist grundsätzlich möglich und sogar hilfreich. Wichtig ist eine Therapie, die Ihr Asthma stabil hält. Wenn Sie bei Belastung regelmässig Beschwerden haben, ist das ein Zeichen, dass die Einstellung optimiert werden sollte.
Wann reichen Alltagstipps nicht mehr aus?
Manchmal zeigen Ihre Beschwerden, dass Ihr Asthma nicht optimal eingestellt ist und Alltagstipps nicht mehr ausreichen. Typische Beispiele hierfür sind:
- Wenn Sie mehr als 2x pro Woche Symptome haben
- Wenn Sie nachts wegen Husten oder Atemnot aufwachen
- Wenn es zu einem schweren Asthmaanfällen kommt
- Wenn Sie Ihr Notfallspray mehr als 2x pro Woche brauchen
- Wenn Ihre Alltagaktivität durch Asthmasymptome eingeschränkt ist
Dann sollte Ihre Asthma Therapie schnellstmöglich überprüft und angepasst werden. Denn Asthma ist nicht nur «verkrampfte Bronchien», sondern vor allem eine Entzündung der Atemwege. Und diese Entzündung muss langfristig gut kontrolliert werden, damit Beschwerden und Anfälle seltener werden und Ihre Lunge geschützt bleibt.
Asthma Therapie: Wie bekommen Sie Asthma langfristig gut in den Griff?
Eine gute Asthma Therapie bedeutet: Sie können Ihren Alltag normal leben, schlafen ruhig, haben sehr selten bis keine Anfälle und brauchen Ihr Notfallspray nur sehr selten.
Dazu gehören meist drei Dinge:
- Ein klarer Therapieplan
Viele Therapien folgen einem Stufenprinzip: Je nach Beschwerden und Risiko werden Medikamente angepasst. Ziel ist immer die niedrigste wirksame Stufe, die Ihr Asthma stabil hält. Entsprechend diesem Stufenplan ist es normal, dass je nach Aktivitätsgrad Ihres Asthmas die Therapie intensiviert oder deeskaliert wird. Wenn keine ausreichende Symptomkontrolle vorliegt, dann wird die Therapie intensiviert, sprich man geht eine oder mehrere Stufen im Stufenschema «hoch». Und wenn Ihr Asthma mit der Therapie einer Stufe in der Regel über 3 Monate kontrolliert bleibt, kann versucht werden, ob die Therapie auf die darunterliegende Stufe reduziert werden kann. Eine Asthmatherapie ist also keine «statische» Therapie mit immer demselben Medikament und Dosis, sondern eine dynamische, welche sich der Anfallshäufigkeit Ihres Asthma anpasst, um es stets optimal zu kontrollieren und Langzeitschäden an Ihrer Lunge und Ihrem Herzen zu verhindern.
- Regelmässige Kontrolle
Auch wenn es Ihnen gut geht, lohnt sich eine periodische Kontrolle (z.B. Lungenfunktion, Symptome, Inhalationstechnik). Asthma kann sich verändern: saisonal, durch neue Trigger, Stress oder Infekte.
- Nutzen Sie den online verfügbaren Asthma Control Test (Welcome to the Asthma Control Test), wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Asthma vollständig kontrolliert ist oder nicht.
- Richtige Rolle von «Notfall» vs. «Langzeit»
Viele Betroffene greifen bei Beschwerden automatisch zum Notfallspray. Das kann kurzfristig helfen, löst aber die Entzündung nicht. Häufiger Bedarf ist ein Warnsignal für ungenügende Kontrolle. Internationale Empfehlungen haben basierend auf neuen Studien herausgefunden und betonen, dass eine reine SABA-Nutzung (Verwendung eines klassische Notfallsprays, wie z.B. Salbutamol) ohne passende entzündungshemmende Strategie Risiken erhöhen kann.
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Asthma wird «schleichend schlechter», warten Sie nicht ab. Oft reicht eine kurze ärztliche Abklärung mit kleinen Anpassungen (z.B. Technik, Dosierung, Timing), um wieder Stabilität zu erreichen.
Welche Medikamente und Wirkstoffe kommen bei Asthma häufig infrage?
Bei Asthma gibt es nicht «das eine» Medikament, das für alle passt. Asthma kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche haben nur selten Beschwerden, andere fast täglich. Auch die Auslöser sind mit zum Beispiel Pollen, Hausstaub, Infekte, kalte Luft oder körperliche Belastung können unterschiedlich sein. Deshalb wird die Behandlung immer individuell angepasst. Entscheidend sind unter anderem Ihre Symptome, Ihre Lungenfunktion, wie häufig Sie Anfälle haben und wie gut Ihr Asthma im Alltag kontrolliert ist.
Grundsätzlich haben Asthma-Medikamente zwei Aufgaben.
Reliever (Bedarfsmedikation)
Reliever sind Medikamente für den akuten Moment. Sie helfen rasch, wenn Sie spüren, dass die Atmung schwerer wird, Sie pfeifen oder ein Engegefühl in der Brust entsteht. Diese Medikamente erweitern die Bronchien, damit die Luft wieder besser durchkommt. Viele nennen sie «Notfallspray». Reliever wirken schnell, lösen aber nicht die Entzündung, die bei Asthma im Hintergrund oft dauerhaft vorhanden ist.
Controller (Dauertherapie)
Controller sind Medikamente für die langfristige Kontrolle. Sie behandeln die Entzündung in den Atemwegen und helfen, dass Beschwerden und Anfälle seltener werden. Controller wirken nicht immer sofort. Oft braucht es einige Tage bis Wochen, bis man die volle Wirkung merkt. Dafür schützen sie die Atemwege langfristig, sofern sie regelmässig angewendet werden. Auch dann, wenn es gerade gut geht.
Welche Wirkstoffgruppen werden bei Asthma häufig eingesetzt?
Inhalative Kortikosteroide (ICS)>br> Das sind entzündungshemmende Medikamente, oft als Spray oder Pulverinhalator. Sie gelten bei vielen Asthmaformen als Basis der Behandlung, weil sie die Entzündung in den Atemwegen beruhigen. Dadurch werden die Bronchien weniger empfindlich und reagieren weniger stark auf Auslöser.
Beta-2-Sympathomimetika
Diese Wirkstoffe erweitern die Bronchien. Es gibt sie in zwei Varianten:
- Kurz wirksam (SABA): für schnelle Hilfe bei akuten Beschwerden (klassisches Notfallspray)
- Lang wirksam (LABA): für eine länger anhaltende Bronchienerweiterung, meist als Teil der Dauertherapie
Kombinationsmedikamente (ICS/LABA)
Wenn ein inhalatives Kortison allein nicht ausreicht, wird häufig ein Kombinationspräparat eingesetzt. Dabei sind ein entzündungshemmender Wirkstoff (ICS) und ein langwirksamer Bronchienerweiterer (LABA) in einem Medikament kombiniert. Das kann die Kontrolle der Symptome verbessern und Anfällen vorbeugen.
Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Montelukast)
Diese Medikamente wirken ebenfalls entzündungshemmend, aber auf einem anderen Weg als Kortison. Sie werden in bestimmten Situationen zusätzlich eingesetzt, wenn zum Beispiel allergische Komponenten eine Rolle spielen oder wenn die bisherige Therapie noch nicht ausreichend wirkt.
Zusatztherapien bei schwerem Asthma (inklusive Biologika)
Wenn Asthma trotz guter Inhalationstechnik und passender Standardtherapie nicht ausreichend kontrolliert ist, gibt es weitere Optionen. Dazu gehören Spezialtherapien wie Biologika, die gezielt in bestimmte Entzündungsprozesse eingreifen. Diese Behandlungen werden in der Regel nach genauer Abklärung und durch Spezialistinnen oder Spezialisten eingesetzt.
Langwirksame Bronchienerweiterer (LABA) werden bei Asthma normalerweise nicht allein verwendet. Sie öffnen zwar die Bronchien, behandeln aber nicht die Entzündung. In Kombination mit einer entzündungshemmenden Therapie (meist ICS) ist die Behandlung in der Regel sicherer und wirksamer.
Wenn Ihre Therapie grundsätzlich gut eingestellt ist, macht im Alltag die konsequente und korrekte Anwendung einen grossen Unterschied. Viele vermeintliche «Therapieprobleme» liegen am Ende nicht am Medikament selbst, sondern daran, dass es nicht regelmässig genug angewendet wird oder beim Inhalieren nicht optimal in die Lunge gelangt. Ursache sind häufig kleine Fehler in der Anwendung, die man selbst kaum bemerkt.
Asthma Spray richtig nutzen: So kommt das Medikament in die Lunge
Die beste Therapie hilft wenig, wenn das Medikament nicht in der Lunge ankommt. Genau hier passieren häufig Fehler. Asthma-Medikamente wirken nur dann gut, wenn korrekt inhaliert wird. Die Medikamente gibt es in Form von Dosieraerosolen oder verschiedenen Pulverinhalatoren. Jeder Inhalator hat daher seine eigenen Besonderheiten, wie er korrekt zu nutzen ist, damit das Medikament sicher in der Lunge ankommt und wirken kann.
Ein paar Grundprinzipien für alle Inhalatorformen:
- Gerät vorbereiten
Je nach Inhalator müssen Sie laden, schütteln oder eine Dosis bereitmachen. Lesen Sie die Anleitung Ihres Geräts, nutzen Sie die Videos der Atemwegsliga (Inhalieren - Deutsche Atemwegsliga e.V.) oder lassen Sie sich die Technik in der Apotheke oder von Ihrem Arzt zeigen.
- Ausatmen vor der Inhalation
Atmen Sie ruhig aus (nicht ins Gerät).
- Inhalieren: langsam oder kräftig je nach Gerät
Bei manchen Geräten ist eine langsame, tiefe Einatmung wichtig, bei anderen eher eine kräftige. Eine kurze Instruktion ist sinnvoll.
- Atem anhalten
Halten Sie nach dem Inhalieren kurz die Luft an (ein paar Sekunden), damit sich das Medikament absetzen kann.
- Nicht sofort wieder ausatmen
Atmen Sie danach langsam aus.
Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihre Technik regelmässig überprüfen (z.B. in der Apotheke oder durch Fachpersonen). Das ist oft die schnellste «Optimierung» in der Asthma Behandlung. Manchmal kann es auch hilfreich sein, eine Inhalationskammer an einem Inhalator vorzuschalten. Dadurch reduzieren sich die Schwierigkeiten bei der Anwendung von Dosieraerosolen deutlich.
Nebenwirkungen bei Asthma Medikamenten: Das sollten Sie wissen
Asthma Medikamente sind gut verträglich. Trotzdem können Nebenwirkungen auftreten.
Mögliche Nebenwirkungen von bronchienerweiternden Notfallmedikamenten
Manche spüren nach dem Notfallspray Zittern, Herzklopfen oder Unruhe. Das ist unangenehm, klingt aber oft wieder ab. Wenn es stark ist oder häufiger passiert, sollte die Therapie überprüft werden.
Mögliche Nebenwirkungen von inhalativen Kortikosteroiden (ICS)
Hier können Heiserkeit, gereizter Hals oder Pilzbefall im Mund (Mundsoor) auftreten. Dagegen hilft oft schon eine simple Routine: Nach dem Inhalieren den Mund ausspülen, etwas trinken, etwas essen oder die Zähne putzen, damit Wirkstoffreste nicht im Mund bleiben.
Wann sollten Sie medizinisch nachfragen?
- Wenn Nebenwirkungen neu, stark oder belastend sind
- Wenn Sie wiederholt Infekte/Heiserkeit haben und nicht wissen, ob es am Spray liegt
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Asthma Medikament hilft nicht wie erwartet
- Wenn Sie Ihr Notfallspray mehr als 2x/Woche brauchen als früher (Warnsignal)
Bitte ändern Sie Ihre Medikation nicht auf eigene Faust, sondern stets mit einer Ärztin oder einem Arzt. Gerade bei Asthma kann eine falsche Anpassung das Risiko für Anfälle erhöhen.
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