Newsletter Nr. 6 vom 06.06.2008
Enterovirus 71 (EV71)
China kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus: Erdbeben, Olympiade, Tibet, Vogelgrippe und so weiter. Neuerdings hört man zusätzlich von einer Virusinfektion durch das Enterovirus 71, welches Tausende von Chinesen erkranken lässt. Beunruhigend ist die Tatsache, dass es zu Todesfällen gekommen ist.
Beim Enterovirus handelt es sich um einen weltweit vorkommenden Erreger, der für die Hand-Fuss-Mund-Krankheit verantwortlich ist. Dabei kommt es 3 bis 5 Tage nach der Ansteckung zu Fieber und generellem Unwohlsein. Anschliessend treten Bläschen an der Mundschleimhaut und ein Ausschlag an den Handflächen und Fusssohlen auf. In Einzelfällen nimmt die Erkrankung einen schweren Verlauf mit Lungen-, Hirn-, und Hirnhautentzündungen. Auch Herzmuskelentzündungen kommen vor. Solche Verläufe können tödlich sein. Die Ausprägung der Symptome ist sehr unterschiedlich. Zwei Drittel der infizierten Patienten haben gar keine Symptome und bei den meisten ist nach 7-10 Tagen der ganze Spuk problemlos überstanden. Betroffen sind vor allem Kinder, weil Erwachsene mit grosser Wahrscheinlichkeit die Infektion schon einmal in ihrem Leben durchgemacht haben. Besonders gefährdet für die oben erwähnten schweren Verläufe sind Kinder unter 3 Jahren. Das Virus ist nicht immer gleich aggressiv, es gibt Epidemien mit vielen schweren Verläufen, ein anderes Mal verläuft die Krankheit viel milder. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfchen, zum Beispiel beim Niesen und Husten. Aber auch direkter Kontakt zu Speichel oder Stuhl kann das Virus übertragen. Es gibt weder eine Impfung noch eine spezifische Therapie gegen das Virus. Somit können nur die Symptome bekämpft werden. Aus diesem Grund kommt auch der Prophylaxe, sprich Hygiene, eine zentrale Bedeutung zu. Häufiges Händewaschen erschwert die Übertragung, in betroffenen Gebieten empfiehlt sich die Überwachung des Trinkwassers und die Schliessung von Schulen und Kindergärten muss in Erwägung gezogen werden.
Das Enterovirus 71 war in China erstmals im März 2008 in der Provinz Anhui aufgetreten. Inzwischen sind mehrere Provinzen in China, sowie Hong Kong, Taiwan und Vietnam betroffen. Insgesamt wurden bisher 15'800 Erkrankungsfälle gezählt, wovon 24 Menschen verstarben. Die Folgen für die Schweiz sind gering. Es ist jedoch möglich, dass sich Touristen in China anstecken und erkranken. Im Hinblick auf die Olympiade hat der eine oder andere vielleicht gerade dieses Jahr eine Reise ins Reich der Mitte vor. Für Erwachsene ist das Risiko gering, bei Kindern sollte unbedingt auf häufiges Händewaschen geachtet werden. Zudem soll man Kinderhorte, Schulen, Schwimmbäder und erkrankte Patienten meiden. Allerdings ist eine Infektion mit EV71 grundsätzlich selten; bei Durchfallerkrankungen in China ist in den wenigsten Fällen EV71 der Schuldige.
Das Schweizer Zentrum für Telemedizin MEDGATE steht in engem Kontakt mit dem Bundesamt für Gesundheit BAG und kann vor Reisen nach China Auskünfte zur aktuellen Lage geben.
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